Das Geheimnis stärkenorientierter Führung

von Dez 15, 2021Führung0 Kommentare

Das Geheimnis stärkenorientierter Führung

Ich möchte Sie gerne auf eine kleine Gedankenreise mitnehmen.

Es ist eine Reise in ein völlig normales Unternehmen mit einem völlig normalen Team und natürlich mit einer völlig normalen Führungskraft. Eventuelle Parallelen mit Ihnen oder jemanden den Sie kennen sind rein zufällig. Es könnte allerdings dennoch sein, dass Sie „Kleinigkeiten“ erkennen und zukünftig vielleicht anders betrachten. Sind Sie bereit? Na dann los!

Es ist Montagmorgen und die Führungskraft ruft sein Team zusammen, um die nächsten Aufgaben zu verteilen. Das Team ist vollzählig angetreten. (Damit es plakativer wird verwende ich als Teammitglieder folgende Tiere: einen Elefanten, einen Vogel, eine Schnecke, ein Fisch und einen Affen – und dennoch sind sie alle gleich – nämlich Tiere. Wie das in vielen völlig normalen Teams auch so ist – alles Menschen.) Das Meeting beginnt und die Führungskraft heißt erstmal alle willkommen. Gleich zu Beginn stellt sie die nächste Aufgabe vor. „Das Ziel dieser Aufgabe ist es möglichst viele Kokosnüsse von der großen Palme im Garten zu pflücken. Ist das Ziel allen klar? Gut! Diese Aufgabe bekommt der Fisch!“.

Im Team herrscht große Verwunderung. Allerdings traut sich keiner der Führungskraft zu widersprechen und so löst sich die Runde wieder auf.

Eine Woche später trifft man sich zur nächsten Teamrunde. Die Führungskraft fragt den Fisch „Und wie viele Kokosnüsse hast du gesammelt?“. „Keine.“ Antwortet der Fisch. Die Führungskraft ist sichtlich erzürnt „Was heißt hier keine! Hast du keine Lust? Wo ist dein Teamgedanke? Wenn du nächste Woche wieder keine Kokosnüsse mitbringst, wird es weitreichende Konsequenzen für dich haben!“

Die Zeit vergeht und eine Woche später dasselbe Bild. Der Fisch hat wieder keine Kokosnüsse dabei. Nun lässt die Führungskraft Gnade vor Recht walten und hat DIE Idee. „Wer von euch traut sich den diese Aufgabe zu?“ Der Affe meldet sich. „Gut, dann bist du Affe jetzt der Buddy vom Fisch und deine Aufgabe ist es ihm zu lernen auf den Baum zu klettern und Kokosnüsse zu sammeln. Das sollte für dich ja kein Thema sein.“

OK, machen wir hier mal einen Cut. Sie lachen? Oder schütteln vielleicht sogar den Kopf. Und dennoch spielt es sich gerade jetzt in diesem Moment in ganz vielen völlig normalen Unternehmen genau so ab.

Bestimmt sagen Sie jetzt, „Oh man wie kann die Führungskraft nur so sein. Es ist doch völlig klar, dass der Affe die Aufgabe hätte tun sollen.“ Und ich würde Sie fragen, „wie kommen Sie darauf?“ „Naja, von den genannten Tieren ist der Affe nun mal die Idealbesetzung für diese Aufgabe.“ Völlig richtig! Und dennoch wird es tagtäglich anders gelebt.

Warum ist das so? Weil in vielen Unternehmen der Fokus zum einen auf der Aufgabe liegt und zum anderen die Führungskräfte sich viel zu wenig mit den individuellen Stärken der Mitarbeitenden auseinandersetzen. Selbst in den Mitarbeitergesprächen liegt der Fokus auf den Defizienten. „Oh, deine Kommunikationsfähigkeiten könnten wir noch deutlich verbessern. Hier machst du nächstes Jahr unbedingt noch eine Fortbildung.“ Hier finden wir gewisse Parallelen zur Schule wieder. Schreibt ein Schüler eher Noten im Bereich 4 bis 6, dann bekommt er in den meisten Fällen (wenn es leistbar ist) Nachhilfeunterricht. Kommt er dann nach großer Anstrengung auf eine 3 ist alles wieder ok. Note 3 = Durchschnitt, somit nicht mehr zu auffällig. Das heißt, wir sind Defizit orientiert. Wir versuchen die Defizite im Idealfall auf Null zu bringen um sie nicht mehr im Fokus zu haben. Zum Glück gibt es hier schon Schulsysteme in anderen Ländern, die in Richtung Stärkenorientierung gehen.

Was ist aber jetzt die Folge aus unserer Geschichte. Der Fisch hat bald keine Lust mehr, kündigt innerlich und lässt das alles über sich ergehen. Seine Motivation ist total am Ende. Der Affe ist deprimiert, weil er nicht die erste Wahl für diese Aufgabe war, obwohl es seinen Stärken entsprechen würde. Und im restlichen Team herrscht eine große Unruhe, da nun diskutiert und interpretiert wird, warum es kein anderer machen durfte, was wohl dahintersteckt, …

Die Moral von der Geschichte ist also. Achten Sie darauf, welche individuellen Stärken Ihre Mitarbeitenden in Ihrem Team haben und verteilen Sie die Aufgaben stärkenorientiert. Das zahlt zum einen auf das Wohlfühlkonto Ihrer Mitarbeiter, Ihres Teams und Ihres Unternehmens ein – quasi ein tripple win!

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